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Vegan versus Paleo – Vorsicht vor „gesunden“ Mega-Trends

 

Die großen Lifestyle-Trends kommen immer wieder aus den USA. Die Erfinder der Fast-Food-Fehlernährung und die Vorreiter der Übergewichtsepidemie haben auch einen großen Einfluss auf die Ernährungs-Trends, mit denen die Menschen in Europa in regelmäßigen Abständen konfrontiert werden. Der Buchhandel richtet seine Diät-Ratgeber Jahr für Jahr nach den US-Bestsellern aus und Zeitungen und Zeitschriften berichten, welche Form von Ernährung aktuell angesagt ist.

Amerikanische Film- und Pop-Sternchen haben vor ein paar Jahren die vegane Welle ins Rollen gebracht. Nach aktuellen Vorhersagen soll der Scheitel Deutschland erst im Laufe dieses Jahres erreichen. Eine zweite Welle, bereits vor über 10 Jahren in den USA losgetreten, schwillt allerdings parallel auch immer mehr an. Sie ist fast diametral entgegengesetzt bestückt: die fleischlastige Steinzeit- oder Paleo-Diät.

Im aktuellen Lifestyle-Telegramm werden zwei neue Studien zu beiden Trend-Diäten vorgestellt. Die eine Studie kommt zum Ergebnis, dass eine vegane Ernährung sogar günstiger auf diverse Risikofaktoren wirkt als eine vegetarische Kost mit Milch und Eiern – allerdings bei gleichzeitiger Vermeidung von Getreideprodukten und stärkereichen Pflanzen: veganes Low-Carb. Die andere Studie weist die Paleo-Diät als überlegen gegenüber den herkömmlich empfohlenen Ernährungsumstellungen in Bezug auf etablierte Risikofaktoren aus. Allerdings deutet sie auch darauf hin, dass die meisten Menschen sich nicht lange an die Steinzeit-Vorschrift halten werden.

Eine gesunde Lebensweise, und auch das zeigt dieses Lifestyle-Telegramm, ist nicht nur von der Zusammenstellung des Ernährungsfahrplans abhängig. Ausreichende Bewegung verbessert bereits bei Kindern das Gefäßsystem und Schlafmangel kann Depressionen fördern. Dies sind Lebensstil-Themen, die für die meisten Menschen erheblich mehr Bedeutung besitzen, als eine Entscheidung zwischen veganer oder fleischlastiger Ernährung. Statt einer effektvollen Trend-Berichterstattung brauchen wir mehr Aufklärung über die Grundlagen einer gesunden Lebensweise. Dass dabei ein Ampel-System auf Lebensmittelpackungen nicht hilft, hat auch eine aktuelle Studie belegen können.