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Wenn der Enkel wie sein Opa schnarcht

 

Dass der Vater und vor allem der Großvater schnarcht, weiß der Enkel aus Erfahrung und meint gewiss, dass gehört zum normalen Altern. Dass er selbst schnarcht und viele Atemaussetzer in der Nacht hat, das weiß er selbst wahrscheinlich nicht.

Inzwischen schnarchen auch immer mehr Kinder. Eltern sollten darauf achten, denn Schnarchen ist häufig ein Anzeichen für „Schlafapnoe“. Diese Atemaussetzer sind ein sehr ernst zu nehmendes Problem und Gesundheitsrisiko. Im Zuge der Übergewichtsepidemie kommt Schlafapnoe immer häufiger bereits im Kindesalter vor.

Wenn Atemaussetzer länger als 10 Sekunden andauern, spricht man von einer Apnoe. Der Begriff "Apnoe" stammt aus dem Griechischen und heißt Windstille. Die Atemstillstände sind meistens durch eine zu starke Erschlaffung der Zungen- oder Gaumenmuskeln oder durch vergrößerte Rachen- oder Gaumenmandeln bedingt. Durch die Atemaussetzer nimmt die Sauerstoffsättigung des Blutes ab und der Kohlendioxidgehalt nimmt zu. Bevor dies lebensbedrohende Ausmaße erreicht, wird das sympathische Nervensystem aktiviert und es werden Stresshormone wie Adrenalin und Noradrenalin ausgeschüttet. Dadurch wacht man kurz auf und die Atmung setzt wieder ein. So folgt auf den Atemstillstand ein tiefer Atemzug, der die verengten Atemwege öffnet und als lauter Schnarcher zu hören ist. Allerdings sind die Weckreaktionen meist nur so kurz und unvollständig, dass sich die Betroffenen am nächsten Morgen nicht daran erinnern können. Aber solche Atemaussetzer verhindern die wichtigen Tiefschlafphasen.

Die Folgen des verkürzten Tiefschlafes und des verminderten Sauerstoffgehaltes sind gravierend. Frühe Symptome sind Aufwachschwierigkeiten und Tagesmüdigkeit, oft verbunden mit Lernschwierigkeiten. Paradoxerweise treten häufig auch Hyperaktivität und Aggression plus eine merkliche Launenhaftigkeit auf. Über die Aktivierung des sympathischen Nervensystems kommt es auch noch tagsüber zu einer Erhöhung des Blutdrucks, wodurch auf Dauer eine frühzeitige Schädigung der Blutgefäße gefördert wird. Der Mangel an erholsamem Schlaf wiederum bedingt zudem eine vermehrte Ausschüttung des appetitanregenden Hormons Ghrelin und eine Minderung des appetitzügelnden Hormons Leptin. Beide Faktoren erhöhen das Risiko für die Entwicklung von Fettleibigkeit, die wiederum Insulinresistenz, Entzündungsneigung und Stoffwechselstörungen nach sich zieht – „Altersdiabetes“ im Kindesalter ist auf diesem Weg auch eine immer häufiger vorkommende Konsequenz der Schlafapnoe.

Im aktuellen lifestyle-telegramm werden zwei aktuelle Arbeiten vorgestellt, die dieses zunehmende Problem thematisieren.