Kinder und Jugendliche

23.12.16

Kein Multimedia vor dem Zubettgehen

 

http://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/article-abstract/2571467

JAMA Pediatr. 2016;170(12):1202-1208.

Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit bzw. Verwendung von tragbaren Bildschirmmedien und Schlaf: Ein systematisches Review und Meta-Analyse

Carter B, Rees P, Hale L, et al.

Abstract

Bedeutung: Schlaf ist wichtig für die biopsychologische Entwicklung von Kindern. Unzureichende Schlafdauer und Schlafqualität wird zum Problem für die Bevölkerungsgesundheit mit zahlreichen nachteiligen Auswirkungen. Tragbare Bildschirmmedien sind inzwischen zum allzeit gegenwärtigen Teil des Lebens von Kindern geworden und sie können sowohl die Schlafdauer als auch die Schlafqualität beeinflussen.

Ziel: Es sollte ein systematischer Review und eine Meta-Analyse durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob es einen Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit von Bildschirmmedien (Mobil-Telefon und Tablet-Computer) im Schlafbereich bzw. mit ihrer Verwendung mit Schlafparametern gibt.

Datenquelle: Es wurde zwischen dem 1. Januar 2011 und dem 15. Juni 2015 eine Suchstrategie innerhalb der grauen Literatur mit 24 medizinischen Suchbegriffen in Ovid MEDLINE entwickelt und für andere Datenbanken adaptiert. Die Literatursuche wurde in 12 Datenbanken durchgeführt. Es wurde keine Sprachen-Begrenzung vorgegeben.

Studienauswahl: Die Analyse umfasste randomisierte klinische Studien, Kohortenstudien und Querschnittsstudien. Als Einschlusskriterien dienten Studien an Kindern im Alter von 6 bis 19 Jahren. Als Ausschlusskriterien galten Untersuchungen zu fest-installierten Geräten, wie Fernsehgeräte, Desktop- oder Personal-Computer. Ausgeschlossen wurden aber auch Studien, die elektromagnetische Strahlung untersucht hatten.

Datenextraktion und Synthese: Von 467 identifizierten Studien wurden 20 Querschnittsstudien hinsichtlich methodischer Qualität geprüft. Zwei Reviewer haben unabhängig voneinander die Daten extrahiert.

Zentrale Ergebnisse: Die primären Endpunkte, die mit einem apriori Prüfplan festgelegt wurden, waren unzureichende Schlafdauer bzw. Schlafqualität und übermäßige Tagesmüdigkeit.

Ergebnisse: Zwanzig Studien wurden eingeschlossen und ihre Qualität eruiert. Die Studien umfassten 125198 Kinder (mittleres Alter [Standard-Abweichung] 14,5 [2,5] Jahre; 50,1 % männlich). Es fand sich eine starke und konsistente Beziehung zwischen der Verwendung von Bildschirmmedien zur Schlafenszeit und zu unzureichender Schlafdauer (Odds Ratio [OR = 2,17; 95% KI: 1,42–3,32) (P < 0,001, I2 = 90%), zu geringer Schlafqualität (OR = 1,46; 95% KI: 1,14–1,88) (P = 0,003; I2 = 76%) und ausgeprägter Tagesmüdigkeit (OR = 2,72; 95% KI: 1,32–5,61) (P = 0,007; I2 = 50%). Weiterhin zeigte sich, dass Kinder, die während der Nacht Zugang zu den Geräten hatten, mit höherer Wahrscheinlichkeit eine unzureichende Schlafdauer (OR = 1,79; 95% KI: 1,39–2,31) (P < 0,001; I2 = 64%), eine schlechte Schlafqualität (OR, 1.53; 95% CI, 1.11-2.10) (P = .009, I2 = 74%) und eine exzessive Tagesmüdigkeit (OR = 2,27; 95% KI: 1,54–3,35) (P < 0,001; I2 = 24%) aufwiesen.

Schlussfolgerung und Relevanz: Bis heute ist das der erste systematische Review mit Meta-Analyse zum Zusammenhang zwischen der Verfügbarkeit bzw. der Anwendung von Bildschirmmedien und Schlafparametern. Die Verfügbarkeit und die Anwendung solcher Geräte waren signifikant mit folgenden Aspekten assoziiert: Unzureichende Schlafdauer, schlechte Schlafqualität und exzessiver Tagesmüdigkeit. Ein integrierter Ansatz bei Lehrern, Gesundheitsberatern und Eltern ist notwendig, um die Verfügbarkeit solcher Geräte zur Schlafenszeit zu minimieren. Außerdem muss zukünftig weiter an dem Einfluss von diesen Geräten auf die Schlafhygiene und Schlafparameter geforscht werden.