Übergewicht

26.08.16

Fett macht nicht fett

 

http://www.thelancet.com/journals/landia/article/PIIS2213-8587(16)30085-7/abstract

Lancet Diabetes Endocrinol 2016;4(8):666-76. 

Einfluss einer fettreichen mediterranen Kost auf Körpergewicht und Taillenumfang: eine Analyse vorgegebener sekundärer Ergebnisse der randomisiert-kontrollierten PREDIMED-Studie

Estruch R, Martínez-González MA, Corella D, et al.

Abstract

Hintergrund: Auf Grund der hohen Energiedichte von Fett werden fettreiche Kostformen als eher gewichtssteigernd eingeschätzt. Folglich sind Gesundheitsexperten eher abgeneigt, sie Übergewichtigen und Adipösen zu empfehlen. Wir bestimmten den Langzeiteffekt von fettreichen mediterranen Kostformen, die reich an pflanzlichen Fetten waren, in Bezug auf Körpergewicht und Taillenumfang bei älteren Menschen mit erhöhtem Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, wobei die meisten übergewichtig oder adipös waren.

Methodik: PREDIMED war eine parallel geführte, multizentrische, randomisiert-kontrollierte klinische Studie in Zentren zur Erstbehandlung (Primary Care Centers), die 11 Krankenhäusern in Spanien angeschlossen waren. Insgesamt wurden 7.447 asymptomatische Frauen (im Altersbereich 60–80 Jahre) und Männern (im Altersbereich 55–80 Jahre), die Typ-2-Diabetes oder mindestens drei kardiovaskuläre Risikofaktoren aufwiesen, einer von drei Interventionen mittels Computer-generierter Reihenfolge zugelost (1:1:1): Mediterrane Kost, die mit naturbelassenem Olivenöl erster Pressung angereichert war (n=2543); Mediterrane Kost, die mit Nüssen angereichert war (n=2454); oder eine Kontroll-Kost (mit der Empfehlung, die Fettzufuhr zu senken). Es gab keine Empfehlungen zur Kalorienreduktion wie auch körperliche Aktivität nicht extra gefördert wurde. In dieser Auswertung der Studie haben wir Körpergewicht und Taillenumfang zu Studienbeginn und jährlich einmal über einen Zeitraum von 5 Jahren in der Intention-to-Treat-Population gemessen. Die PREDIMED-Studie ist unter ISRCTN.com (Nummer ISRCTN35739639) registriert.

Ergebnisse: Nach 4,8 Jahren (IQR 2,8–5,8) Follow-Up hatten die Teilnehmer in allen drei Gruppen marginal beim Körpergewicht ab- und beim Taillenumfang zugenommen. Die adjustierten 5-Jahres-Unterschiede beim Körpergewicht in der Gruppe mit mediterranen Kost/Olivenöl betrug -0,43 kg (95% KI: -0,86 – -0,01; p = 0,044) und -0,08 kg (-0,50 – 0,35; p = 0,730) in der Gruppe mit mediterraner Kost/Nüsse im Vergleich zur Kontroll-Gruppe. Die adjustierten 5-Jahres-Unterschiede
beim Taillenumfang betrugen -0,55 cm (-1,16 – -0,06; p = 0,048) in der Gruppe mit mediterranen Kost/Olivenöl und -0,94 cm (-1,60 – -0,27; p = 0,006) in der Gruppe mit mediterraner Kost/Nüsse im Vergleich zur Kontroll-Gruppe.

Interpretation: Eine Langzeit-Intervention mit einer kalorisch unbeschränkten, gemüse- und fettreichen mediterranen Kost war mit einer Abnahme des Körpergewichts und einer geringeren Zunahme bei der zentralen Adipositas im Vergleich zu einer Kontroll-Kost assoziiert. Diese Ergebnisse unterstützen Empfehlungen, dass der Verzehr von gesunden Fetten zur Gewichtskontrolle nicht eingeschränkt werden sollte.