Psychosoziale Faktoren

31.03.16

Weniger Demenz mit mehr Bildung

 

http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1504327?query=featured_home&

N Engl J Med. 2016 Feb 11;374(6):523-32.

Demenz-Inzidenz im Verlauf von drei Jahrzehnten in der Framingham Heart Study

Satizabal CL, Beiser AS, Chouraki V, et al.

Abstract

Hintergrund: Es wird erwartet, dass die Prävalenz von Demenz dramatisch zunehmen wird, da die durchschnittliche Lebenserwartung zunimmt. Andererseits weisen kürzlich durchgeführte Schätzungen darauf hin, dass die altersspezifische Inzidenz von Demenz in Ländern mit hohem Einkommen abnimmt. Zeitliche Trends lassen sich am besten mittels einer kontinuierlichen Beobachtung einer Population über eine lange Zeitdauer unter Anwendung gleichbleibender diagnostischer Kriterien ermitteln. Wir beschreiben die zeitlichen Trends der Inzidenz von Demenz über drei Jahrzehnte bei Teilnehmern der Framingham Heart Studie.

Methodik: Teilnehmer der Framingham Heart Studie wurden in Bezug auf Demenz-Inzidenz seit dem Jahr 1975 überwacht. In dieser Analyse, die 5.305 Personen im Alter von mindestens 60 Jahren einschloss, wurden Cox Proportional-Hazards Modelle eingesetzt, die nach Alter und Geschlecht adjustiert wurden, um die 5-Jahres-Inzidenz von Demenz während jeder der vier Epochen zu bestimmen. Wir überprüften auch die Interaktion zwischen den einzelnen Epochen und dem Alter, dem Geschlecht, dem Apolipoprotein E ε4 Status und dem Bildungsniveau. Weiterhin untersuchten wird die Effekte dieser Interaktionen wie auch die Effekte von  vaskulären Risikofaktoren und kardiovaskulären Erkrankungen in Bezug zum zeitlichen Trend.

Ergebnisse: Die nach Alter und Geschlecht adjustierten Hazard Raten für Demenz betrugen 3,6 pro 100 Personen während der ersten Epoche (Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre), 2,8 pro 100 Personen während der zweiten Epoche (Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre), 2,2 pro 100 Personen während der dritten Epoche (Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre) und 2,0 pro 100 Personen während der vierten Epoche (Ende der 2000er und Anfang der 2010er Jahre). Im Verhältnis zur Inzidenz während der ersten Epoche nahm die Inzidenz um 22%, bzw. 38% bzw. 44% während der zweiten, dritten und vierten Epochen ab. Diese Risikoreduktion wurden nur bei Personen beobachtet, die wenigstens einen qualifizierten Abschluss der weiterführenden Schulen besaßen (Hazard Ratio = 0,77; 95% Konfidenz Intervall = 0,67 – 0,88). Die Prävalenz der meisten Risikofaktoren für Gefäßerkrankungen (außer Adipositas und Diabetes) wie auch das Risiko für Demenz, das mit Hirninfarkt, Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz assoziiert ist, nahm über die Zeit ab. Jedoch kann keiner dieser Trends vollständig den Rückgang in der Demenzinzidenz erklären.

Schlussfolgerung: Bei Teilnehmern der Framingham Heart Studie hat die Inzidenz von Demenz über den Verlauf von drei Jahrzehnten abgenommen. Die Einflussfaktoren, die zu diesem Rückgang beitragen, sind noch nicht vollständig aufgeklärt.